Über mich

Hier finden Sie einige Anekdoten aus meinem Leben, von der Hausgeburt in Rottenburg bis hin zum Ministeramt in Stuttgart.

1952 – 1972

Kindheit und Jugend im Rottenburg der Nachkriegszeit


(Foto: privat)

Ich wurde im Sommer 1952 in der Güterbahnhofstraße 1 in Rottenburg am Neckar geboren. Es war noch eine Hausgeburt – etwa hundert Meter vom Güterbahnhof und zweihundert Meter vom Bahnhof entfernt. “Wohnen est omen” könnte man meinen. Es war kein Zufall, dass meine Eltern gemeinsam mit meinen Großeltern mütterlicherseits in der Güterbahnhofstraße wohnten. Mein Großvater war amtlicher Rollfuhrunternehmer, so hießen damals die Bahnspediteure. Sein Büro war im Güterbahnhof und meine Mutter machte dort die anfallenden Büroarbeiten. Kein Wunder also, dass ich als Kind viel Zeit im Güterbahnhof verbrachte. Das war unser Abenteuerspielplatz, auch wenn wir Kinder öfters verscheucht wurden. Wo und wie wir spielten, kann sich heute kein Mensch mehr vorstellen. Wir spielten hinter den Waggons und Paletten Verstecken. Wir schauten dabei aus nächster Nähe zu, wie Züge rangierten, wie man Güterwaggons entlud, wie dieses Stückgut auf den Lastwagen, den mein Großvater besaß, und jenes auf das Pferdegespann mit Planwagen verladen wurde. So spannend es war, es war jedenfalls kein Ort, an dem ich meine Tochter hätte spielen lassen.

Aber so, wie es im Rottenburger Güterbahnhof zuging, ging es auch in allen kleinen und großen Städten Deutschlands zu: Jede Stadt und jeder größere Ort hatte einen Güterbahnhof, der meistens nicht mehr als ein mehr oder weniger großer Holzschuppen war. Ein einfaches Holzgebäude mit Laderampe eben, denn aus Stein waren nur die Personenbahnhöfe. In meinem Geburtsjahr gingen noch 52 Prozent der Transporte über die Schiene. 25 Prozent wurden per Binnenschifffahrt transportiert und nur 23 Prozent wurden per Lastkraftwagen geliefert. Deutschland war noch ein echtes Bahnland! Der Güterfernverkehr auf der Straße war begrenzt und genehmigungspflichtig. Die staatliche Regulierung des Güterfernverkehrs war in den meisten westlichen Demokratien bis in die Neunzigerjahre Normalität.

Zur Zeit meiner Geburt in den Fünfzigerjahren waren Traktoren in der bäuerlichen Landwirtschaft noch eine Seltenheit. Der Standard waren zweirädrige Fuhrwerke mit einer Kuh oder einem Ochsen. Lohnkutscher hatten einen Wagen mit Pferd, das in der Regel doppelt so schnell war wie die Kühe der Landwirte. Aus heutiger Sicht mag das wie Spätmittelalter oder ein Bericht aus der Dritten Welt klingen, aber so war das Leben in der Nachkriegszeit in den kleinen Städten. In fast jedem Haus gab es noch einen Stall und vor dem Haus eine Miste.

Bereits zu Schulzeiten hatte sich mein Weg abgezeichnet: Als Schulsprecher organisiere ich den ersten landesweiten Schulstreik gegen die Einführung eines Numerus Clausus. Dann die „bewegten“ 1960er und 70er Jahre: Der andauernde Vietnam-Krieg war für uns allgegenwärtig,  die Friedensbewegung entstand und wuchs.


1972 – 1979

Meine Studienzeit an der Uni Tübingen

Auf die Schulzeit und den ersten Schulstreik folgte das Studium. Von 1972 – 1979 studierte ich an der Uni Tübingen. In der Germanistik interessierten mich besonders die neuen Bereiche Kommunikations- und Medienwissenschaften und (Sozio-)Linguistik. Die Vorlesungen von Walter Jens und Hermann Bausinger waren Höhepunkte. Als „Hiwi“ (Hilfswissenschaftler) arbeitete ich an einem Dialektforschungsprojekt mit. In der Politikwissenschaft galt mein Interesse vor allem der neu aufkommenden Partizipations- und Friedensforschung. Im Sportstudium genoss ich die sportliche Praxis der verschiedensten Sportarten und lernte viel über Methodik und Didaktik, nicht nur für den Sportunterricht.

Meine Abschlussarbeit war die erste empirische Arbeit am Politikinstitut. Das Thema „Politisches Lernen im Umfeld von Konkurs und Arbeitslosigkeit“ ergab sich aus dem spektakulären Konkurs der größten Fabrik in meiner Heimatstadt Rottenburg.

Politisch waren die Jahre für mich bedeutend. Die etablierten Parteien fanden keine befriedigenden Antworten auf die Probleme der Zeit: NATO-Doppelbeschluss, Frauenrechte, Umweltschutz. In der „Bewegung“, die nun immer wichtiger wurde, hatten wir andere, „basisdemokratische“ Vorstellungen von Demokratie. Die Pläne für eine Grüne Partei sah ich zunächst skeptisch.


1979 – 1984

Meine Zeit als Referendar und Lehrer an Stuttgarter Gymnasien


(Foto: privat)

Als Referendar und Lehrer konnte ich in den fünf Jahren von 1979 – 1984 an drei Schulen in Stuttgart wertvolle Erfahrungen sammeln im Umgang mit Schüler*innen, Eltern und Kolleg*innen. Als Teil einer neuen Lehrergeneration ging es mir darum, den alten Frontal- und Belehrungsunterricht durch moderne Lernformen zu ergänzen oder zu ersetzen. Unterricht und Lernen sollte Lern-Spaß machen. Ob Sport- Deutsch- oder Politikunterricht, mein Ziel war es, die Schüler*innen für die Themen und Aufgaben zu interessieren und zu engagieren. Das gelang am besten durch neuartige Spiel- und Sportangebote, moderne Literatur und Schreiben oder durch aktuelle politische Themen.

Obwohl ich anfangs skeptisch gegenüber den Grünen war, wurde mir bald klar: Die Grünen meinten es ernst mit dem „Anderssein“. 1982 wurde ich Mitglied und 1984 kam ich das erste Mal in den Landtag.


1984 – 1988

Das erste Mal Landtagsabgeordneter im Stuttgarter Filderwahlkreis


(Foto: privat)

1984 wurde ich zum ersten Mal in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, im Wahlkreis Stuttgart II, (Fildervororte).  Wir Grünen kamen zum zweiten Mal in den Landtag, diesmal mit acht Abgeordneten in Fraktionsstärke. Wir verstanden uns politisch und äußerlich als Alternative zu den „Altparteien“, wie man damals sagte. Heute nützt die AfD diesen Begriff. Das schmerzt! Umweltschutz-, ökologische Energie- und Verkehrspolitik waren die Grünen Kernthemen. Fritz Kuhn wurde Fraktionsvorsitzender und ich sein Stellvertreter. Meine Schwerpunkte waren: Bildungs- und Schulpolitik, Jugend- und Sportpolitik. Diese Felder waren Pionierthemen für die Grünen. Es galt ein grünes Schulreformkonzept zu entwickeln und Ideen für eine andere Sportpolitik. Wir waren wenige, aber wir konnten mit unseren konzeptionellen Alternativen vielfach Diskussionen anstoßen.

Ich erinnere mich auch noch gut an die Szene im Landtag, die auf dem Bild zu sehen ist:
Holzvertäfelte Wände, glänzende Wappen, stickige Luft, Männerduft. Der Plenarsaal des Landtages. Gläser klirrten, hier und dort vereinzelte Prost-Rufe. Es war Herbst 1985: Der Skandal um mit Frostschutzmittel gepanschten Wein machte Schlagzeilen und schlug große Wellen in Deutschland. Auch im Landtag wurde das Thema debattiert. Als unser Abgeordneter Hans Dieter Stürmer seine Rede hält, servieren mein Kollege Thilo Weichert und ich Biowein, damals eine absolute Neuheit. Empört verlässt ein Großteil der CDU-Fraktion den Saal. Unser Auftreten ist für viele, vor allem für die CDU, die mit absoluter Mehrheit regiert, eine Provokation. Wein im Plenarsaal, Proteste auf der Straße – wir bürgerbewegten Grünen gingen damals neue Wege.


1988 – 1998

Sabbatjahr, Volkshochschule Stuttgart und Landesvorsitzender der Grünen

Von 1988 -1989 legte ich ein „Sabbatjahr“ ein. Das heißt, ich arbeitete frei als Autor/Herausgeber und im politischen Ehrenamt. Ich schrieb das erste Umweltgrundsatzprogramm für die Naturfreunde als Mitglied des Bundesvorstandes. Anlässlich des 10jährigen Bestehens der Grünen in Baden-Württemberg machte ich mich zusammen mit Wolfgang Schwegler-Rohmeis an die Herausgabe des Buches „Grüner Weg durch schwarzes Land“. Außerdem startete ich die Lehrerhandbuch-Reihe „Stundenblätter Sport“ als Herausgeber und Autor.

Direkt nach dem Sabbatical arbeitete ich mit großer Freude an der Volkshochschule Stuttgart als Fachbereichsleiter.  Insgesamt neun Jahre, 1989 – 1998, war die Volkshochschule meine berufliche Heimat. In der Zeit war ich verantwortlich für die Themenfelder Gymnastik/Bewegung, interkulturelle und internationale Bildungsarbeit, für Ältere Menschen und für die Lokale Agenda 21. Es war eine außerordentlich vielfältige und kreative Zeit. Mit vielen engagierten Kolleg*innen konnten wir die Volkshochschule Stuttgart mit ihrem neuen „Treffpunkt Rotebühlplatz“ zum modernen Haus der Bildung, Begegnung und Kommunikation machen. Neben qualifizierten Kursangeboten konnten wir vor allem mit großen, aktuellen Themenreihen und Veranstaltungen großes Interesse erzielen.

Ebenfalls in diese Zeit fällt mein Engagement als Landesvorsitzender der Grünen. Von 1992 – 1997 war ich sowohl Landesvorsitzender der Grünen, als auch Fachbereichsleiter an der Volkshochschule Stuttgart.


1998 – 2011

Plötzlich als Vollzeitpolitiker im Bundestag


(Foto: privat)

Mit der Wahl in den Bundestag (Wahlkreis Tübingen) begann für mich eine neue Zeit in der Politik. Als Landesvorsitzender hatte ich zeitgleich noch meine Arbeit in der Volkshochschule. Nun wurde ich Vollzeitpolitiker. Mein politischer und persönlicher Fokus rückte von Stuttgart nach Tübingen und zunächst nach Bonn (damals noch Sitz des Bundestages), ab 1999 dann nach Berlin.

Eine spannende Zeit rotgrüner Reformpolitik nach 16 Jahren Bundeskanzler Kohl (CDU/CSU/FDP) begann. Wir Grünen waren zum ersten Mal in der Bundesregierung. Und wir hatten viel vor. Die großen Themen waren Atomausstieg, Energiewende, Gleichstellung, Agrarreform, Neues Staatsbürgerrecht, Arbeitsmarktreformen und vieles mehr. Die deutsche Beteiligung an den Kriegseinsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan waren für mich als Pazifisten schwere Prüfungen. Beides lehnte ich ab, aber ich war in der Minderheit.

Ich konzentrierte mich auf meine Arbeit (Lärmschutz, Luftreinhaltung, Nachhaltigkeitsstrategie) im Umweltausschuss und als Stellvertretender Vorsitzender. In den folgenden Wahlperioden verlagerte sich mein politischer Schwerpunkt immer stärker in den Verkehrssektor. Ich wurde zunächst Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion und ab 2009 Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Die großen Themen waren: Verkehrswegeplanung, die Verhinderung der Bahnreform und Bahnprivatisierung, Klimaschutz und Verkehr, Radverkehr, Elektromobilität und multimodale Mobilität.

Wir Grünen haben in diesen Jahren erfolgreich öffentlich gezeigt, dass wir nicht nur Umwelt- und Klimaschutz können, sondern auch Verkehrspolitik. Und zunehmend wurde klar, dass die Energiewende und die ökologische Transformation ohne eine andere Verkehrspolitik nicht gelingen kann. Ich war jedenfalls nach vielen Jahren in der Verkehrspolitik auf Bundesebene bestens gerüstet für die Arbeit als Verkehrsminister. Und ich wollte unbedingt beweisen, dass wir nicht nur gute Ideen und Konzepte haben, sondern auch deren Umsetzung schaffen.


Seit 2011

Minister für Verkehr in Baden-Württemberg


(Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg)

Die Ernennung zum Verkehrsminister und der Weg zurück nach Stuttgart war ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben. Als ich das Amt als Verkehrsminister in Baden-Württemberg antrat, war ich der erste Grüne Verkehrsminister Deutschlands.

Doch trotz meiner guten und erfolgreichen Arbeit im Bundestag wurde anfangs so getan, als sei ich der Teufel persönlich und würde künftig alle Autos verdammen und jeder müsse Radfahren. Wie wir alle wissen, ist das natürlich nicht geschehen.
Aus der Bewegungspartei ist eine gestaltende Kraft geworden.


Seit 2016

Das zweite Mal Verkehrsminister und Landtagsabgeordneter im Stuttgarter Filderwahlkreis

Copyright Vermerk: Sebastian Berger CREDIT: Sebastian Berger – Affalterbacher Str. 32 – 71686 Remseck – Germany – mobile +49 174 2437129 – mail@sebastian-berger.de – www.sebastian-berger.de

(Foto: Sebastian Berger)

Nach 30 Jahren trat ich erneut im Stuttgarter Süden für den Landtag an. Seit meinem ersten Mandat von 1984 – 1988 hat sich einiges in meinem Wahlkreis getan. Hedelfingen und der Lederberg gehören nicht mehr zu meinem Wahlkreis. Die Stadtbezirke Vaihingen, Möhringen, Birkach, Plieningen, Degerloch und Sillenbuch sind allesamt mächtig gewachsen. Und auch, wenn sich in all den Jahren vieles verändert hat, thront heute wie damals über allem das Wahrzeichen Stuttgarts: der Fernsehturm.

Ich holte das Mandat sehr deutlich mit 37,2 % der Stimmen. Damit hat ich fast 13 % Vorsprung gegenüber der zweitplatzierten Kandidatin. Erneut wurde ich ins Kabinett von Ministerpräsident Kretschmann gerufen und als Verkehrsminister vereidigt.

Nach inzwischen fast zehn Jahren bin ich fast der dienstälteste Verkehrsminister Deutschlands. Solange hat es bisher nur ein weiterer Kollege in den Ländern durchgehalten, der wenige Tage länger als ich im Amt ist. Aber, ich will selbstverständlich weitermachen und mich weiter jeden Tag mit meiner Kraft, Energie und meinem Enthusiasmus für eine gelungene Verkehrswende in Deutschland einsetzen.

Wir Grüne haben in den letzten zehn Jahren in Baden-Württemberg vieles verändert – und wir Grüne haben uns verändert, in den letzten gut 40 Jahren.  Von der Bewegungspartei zur Regierungspartei. Als ich 2016 wieder ins Amt des Verkehrsministers berufen wurde, war ich Minister einer Koalition, die in unseren Anfangszeiten nicht denkbar gewesen wäre. Und ja, ich habe in fast vierzig Jahren Politik gelernt, wie wichtig es ist, einen Kompass zu haben, Mehrheiten zu gewinnen, Kompromisse zu machen, um zu gestalten.

Trotzdem: Ab und an sind auch klug gesetzte Provokationen nötig. Das belebt den Diskurs und die Demokratie. Wenn die Jugendlichen von “Fridays for Future” – wie bis zur Corona-Krise geschehen –   an meinem Fenster vorbeiziehen, bewegt mich das zutiefst: Sie fordern zu Recht eine andere, wirksame Politik für den Klimaschutz. Und ich lade sie ein: Wir alle haben es in der Hand die Politik und die Welt besser zu machen. Ich bin dabei!


2021

Wachsen wir über uns hinaus!

(Foto: Tom Ziora)

Zum dritten Mal Minister im Kabinett von Winfried Kretschmann! Meine Aufgabe: die Verkehrswende weiter voran bringen! Ich werde weiter jeden Tag hart und akribisch dafür arbeiten, dass uns die Verkehrswende, als entscheidender Beitrag zum Klimaschutz, gelingt!