Umwelt & Energie

Winfried Hermann zu Umwelt und Energie

UMWELT

Der Umgang mit unserer Umwelt und mit dem Klima ist eine zentrale Menschheitsfrage. Geht es Tieren und Pflanzen schlecht und kippt das Klima, dann geht es auch uns Menschen schlecht. Der Verlust der Artenvielfalt hat in den letzten 30 Jahren dramatische Züge angenommen. In dieser Zeit hat sich die Anzahl der Vögel halbiert und die Biomasse der Insekten gar um 75 Prozent reduziert. Wer den dramatischen Artenrückgang stoppen will, muss unsere einzigartigen und vielfältigen Landschaften erhalten. Das tun wir und investieren kräftig in unser grünes Naturerbe. Mit dem Sonderprogramm Biodiversität investieren wir 36 Millionen Euro in den Erhalt unserer Kulturlandschaften und in die Lebensräume bedrohter Tierarten.

Für Naturschutz hat das Land 2018 insgesamt 75,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, 2019 waren es gar 82 Millionen Euro. Damit können dauerhaft wichtige Maßnahmen zur Landschaftspflege, Ziegen- und Schafherden an Steilhängen, finanziert werden. Zum Naturschutz zählt zweifellos auch der Schutz unserer Wälder. Beim Regierungsantritt 2011 war kein einziger unserer Staatswälder FSC-zertifiziert. Wir haben mit einer nachhaltigeren Waldwirtschaft begonnen und 2014 die Zertifizierung der Wälder begonnen. Heute sind 100% der Staatswälder in Baden-Württemberg mit dem FSC-Siegel versehen und stärken damit eine nachhaltige und umweltgerechte Forstwirtschaft. Außerdem ist der Wald für uns weit mehr als nur Holzlieferant, schließlich ist er der beste Kohlenstoffdioxidspeicher, erhält die biologische Vielfalt und ist für uns Menschen wichtiger Erholungs- und Rückzugsort.

Auch haben wir mit dem Nationalpark Schwarzwald 2014 den ersten Nationalpark Baden-Württembergs gegründet – ein wichtiger Meilenstein – und so der Natur ein Stück Freiheit und Wildnis zurückgegeben. Zwei Jahre später kam mit dem Biosphärengebiet im südlichen Schwarzwald ein weiteres wichtiges Großschutzgebiet neben den bestehenden sieben Naturparks hinzu.  Insgesamt hat das Land die Mittel für den Naturschutz kontinuierlich gesteigert, von 30 Millionen 2011 auf künftig 90 Millionen (2021).

Ebenso wichtig wie der Schutz der Wälder ist auch der Schutz unserer Böden. Sie sind einer der größten natürlichen Kohlenstoffspeicher, filtern Schadstoffe, steuern den Wasserkreislauf und regeln über Verdunstung und Temperatur unser Klima. Aus all diesen Gründen haben wir uns den Schutz der Böden zur Aufgabe gemacht und versuchen in diesem Zuge die Versiegelung von Flächen soweit es geht zu reduzieren.

Das der Klimawandel kein fernes Zukunftsszenario mehr ist, zeigen uns Dürresommer, Hochwasser und ein dramatischer Verlust an biologischer Vielfalt Jahr für Jahr. Wenn Insekten und Vögel sterben und unsere Wälder und Böden als Speicher der klimaschädlichen Treibhausgase versagen, dann geht es auch uns Menschen zunehmend schlecht.

Auch im Tierschutz haben wir verschiedene Meilensteine erreicht. Für die Verbände haben wir das Verbandsklagerecht und mehr Mitwirkungsrechte geschaffen und die Stelle der Landesbeauftragten für Tierschutz etabliert.

Im Bereich Klimaschutz hat sich das Bündnis „Under2Coalition“ als eine starke Lobby für den Klimaschutz erwiesen. Ziel ist, die globale Erderwärmung unter 2°C zu halten. Die Gründungsidee wurde von unserem Grünen Minister Franz Untersteller und dem kalifornischen Gouverneur Jerry Brown auf den Weg gebracht und die Absichtserklärung 2015 in Paris unterschrieben. Die Mitglieder unterschreiben das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 80-95% (im Vergleich zu 1990) zu reduzieren. Baden-Württemberg selbst hat das Ziel bis 2050 insgesamt 90% seiner Emissionen einzusparen. Inzwischen vertritt das Bündnis mehr als 222 Regionen und Städte weltweit zusammen. Dieses Bündnis umfasst inzwischen über 6 Kontinente hinweg mehr als 1,3 Milliarden Menschen, umfasst 40% der globalen Wirtschaftsleistung und ist damit ein wichtiges Bündnis um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen.

Auf Landesebene ist das von uns ins Leben gerufene Klimaschutzgesetz ein wichtiges Instrument um weiter hart an den Klimaschutzzielen zu arbeiten. Gerade weil Baden-Württemberg als Industriestandtort überdurchschnittlich viel Treibhausgase produziert (wir haben nur 0,0014% der Weltbevölkerung, verursachen aber 0,3% der weltweiten Emissionen), ist es umso wichtiger, dass wir – wie alle anderen Länder, die das Pariser Klimaschutzabkommen unterschrieben haben oder Teil der Under2Coalition sind – den Klimaschutz ernst nehmen.  Mithilfe des Klimaschutzgesetzes reduzieren wir unsere Treibhausgase und untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels, um früher auf klimatische Veränderungen wie Starkregen oder extreme Hitzewellen reagieren zu können.

Um die richtigen Maßnahmen für den Klimaschutz zu erreichen, haben wir unter Federführung von Franz Untersteller das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept entwickelt. Wir bündeln hier die wichtigsten Strategien und Maßnahmen um unsere Klimaschutzziele zu erreichen.

 

ENERGIE

Was auf dem Weg zum erreichen der Klimaschutzziele ohnehin klar ist: Wir müssen den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung ausbauen und den Energieverbrauch in allen Lebensbereichen deutlich senken. Kurz: Wir brauchen die Energiewende!

Die Energiewende ist also ein entscheidender Faktor, wenn wir die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen wollen. Wir müssen weg von den fossilen Energieträgern und auf erneuerbare Energien setzen. Aber nicht nur das: Energie- und Ressourceneffizienz wird ein immer stärkerer Faktor werden.

In der Zeit von 2011 bis 2018 hat sich die Anzahl Windkraftanlagen von 360 auf 711 fast verdoppelt. Hinzu kommt, dass sich die Leistung der Windkrafträder innerhalb von zwei Jahren von 1.029 Megawatt (2016) auf 1.491 Megawatt (Frühjahr 2018) verbessert hat. Insgesamt konnte so 2018 Strom für 670.000 Zwei-Personen-Haushalte durch Windenergie erzeugt werden.

Im Bereich der Photovoltaik wollen wir erreichen, dass bis 2020 auf den Dächern der Landesgebäude auf einer Fläche von insgesamt 86.000 m² Photovoltaik-Anlagen vorhanden sind. Zudem wollen wir eine Solaroffensive starten, damit in ganz Baden-Württemberg 50.000 Solarkraftanlagen installiert werden und die Menschen sehen, dass Photovoltaik sich nach wie vor finanziell lohnt.

Auch die Gebäudesanierung ist weiterhin ein wichtiges Thema, schließlich gehen circa 25% alle Emissionen auf Wohngebäude zurück. Oftmals passiert das durch schlecht gedämmte Kellerdecken, mangelhafte Fassadenisolierung oder veraltete Heizungen. Allein bei uns im Land gibt es 1 Million alter Ölheizkessel, die dringend ausgetauscht werden müssen. Hinweise, wie man sein Gebäude am besten Sanieren kann, geben die Berater der Energie- und Klimaagenturen. Wir Grünen setzen uns weiter dafür ein, dass es künftig mehr Energieberaterinnen und –berater im Land gibt.

Mit dem ThinkTank industrielle Ressourcenstrategie als eigenständigen Projekt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Konzept der Ultraeffizienzfabrik beschreiten wir neue Wege bei Recycling und Kreislaufwirtschaft. Die Ultraeffizienzfabriken sind Betriebe, die mit geschlossenen Energie- und Stoffkreisläufen neue Maßstäbe setzen. Beides sind wichtige Konzepte im Bereich der Ressourceneffizienz. Denn wir wollen wirtschaftlich wachsen und dabei trotzdem weniger Ressourcen verbrauchen. Denn unter dem weltweit gestiegenen Ressourcen- und Energiehunger leidet unsere Umwelt. Und das hat Folgen: abgeholzte Wälder, verschmutzte Flüsse, zerstörte Ökosysteme. Würden alle Menschen auf der Welt so konsumieren, wie wir es in Deutschland tun, dann bräuchten wir mehr als drei Mal den Planeten Erde um die Bedarfe zu decken.

Angesichts dieser Tatsachen und durch steigende Import-Preise und zunehmende Abhängigkeiten von Lieferanten haben wir in Baden-Württemberg Richtlinien für einen schonenden Umgang mit Ressourcen erarbeitet. Ziel ist die Rohstoffe in einem geschlossenen Kreislauf zu behalten und sie effektiver einzusetzen. Das schützt einerseits die Umwelt und das Klima, macht unsere Wirtschaft andererseits weniger abhängig von Importen.

Die von Franz Untersteller ins Leben gerufene Allianz „100 Betriebe für Ressourceneffizienz“ unterstützt Unternehmen bei ihren Aktivitäten für mehr Ressourceneffizienz und soll über das Land hinaus seine Strahlkraft entfalten und die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft zeigen.

 

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