Verkehr in Stuttgart und auf den Fildern

Beim Treffen der Grünen Ortsverbände der Stuttgarter Fildern am 11. Oktober diskutierten Winne Hermann MdL, Mathias Gastel MdB, Regionalrat André Reichel, Dr. Michael Münter, Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität der Stadt Stuttgart sowie die Stadträt*innen Beate Schiener, Björn Peterhoff und Petra Rühle moderiert von Nick Tschenk im Bürgerhaus Möhringen über Verkehrsprobleme, ÖPNV-Ausbau und Luftreinhaltung.

„Unser Ziel ist es, die Grenzwerte schnellstmöglich einzuhalten. Es gibt nicht „die“ einzige Maßnahme, die uns ans Ziel bringt. Vielmehr ist ein ganzes Maßnahmenbündel erforderlich.“ So tragen laut Hermann fast 40 laufende, neue und weiterentwickelte Maßnahmen dazu bei, die Luft in Stuttgart auf Dauer zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise das Lkw-Durchfahrtsverbot, die Einführung und Erweiterung der grünen Umweltzone, das Parkraummanagement, Tempo 40 auf Steigungsstrecken, das Jobticket, die Verstetigung des Verkehrs sowie die Verbesserung des Stadtklimas durch mehr Bäume und Sträucher. Münter ergänzt, dass während des Feinstaubalarms Linien mit verdichteten Takten fahren und zudem die U19 als neue Linie bis zum Neckarpark in Betrieb genommen würde, ergänzt Münter.

Auch auf den Fildern wird der ÖPNV kontinuierlich ausgebaut und verbessert. Das soll auch zur Entlastung der vom motorisierten Individualverkehr geplagten Fildern beitragen. So wurden die Linien U12 bis Dürrlewang verlängert und ab 2020 soll die U6 bis Flughafen fahren. Überlegungen gibt es auch zur Verlängerung der U3 Richtung Birkach. Auch die Region beteiligt sich an Verbesserungen im ÖPNV. Die S 2 soll von Bernhausen nach Neuhausen verlängert werden. Zudem soll nach einem Beschluss der Regionalversammlung bis 2020 stufenweise der 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn ausgedehnt und einzelne Züge in den Randzeiten verlängert werden. Infolgedessen müssen Verspätungen abgebaut werden. Für die anschließenden, teilweise durchaus verbesserungswürdigen Busanbindungen sind allerdings die jeweiligen Landkreise und Kommunen zuständig. Auch auf den Stuttgarter Fildern werden hier Probleme gesehen, so bei der Einstellung der 79, oder der fehlenden Taktverdichtung der Linie 72. Besondere Bedeutung hat in allen Filderbezirken aber die Taktverdichtung der Linie U8 nach Heumaden. Ein wichtiger Punkt für den Nahverkehrsentwicklungsplan der SSB meinte auch Stadtrat Peterhoff.

Besonders problematisch wurde die Verkehrssituation im Synergiepark, dem Industriegebiet zwischen Vaihingen und Möhringen, gesehen. Dort bedarf es, vor allem nachdem sich Allianz und auch Daimler dort ansiedeln wird, dringend ein umfassendes Verkehrskonzept. Auf de Nord-Süd-Straße herrscht Dauerstau, dem mit verbesserten Kreuzungen auch mit einem Ausbau des ÖPNV und einem neuen P+R-Parkhaus an der A81 entgegengewirkt werden muss, so Hermann. So plant das Land zusammen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, Anschlüsse und Kreuzungen verbessern um Rückstau zu vermeiden. Der Vaihinger Bahnhof wird zu einem Regionalhalt ausgebaut.

Die Grüne Gemeinderatsfraktion setzt zudem auf neue Ideen, so das Konzept einer Seilbahn von der Anschlussstelle der A8 über den Vaihinger Bahnhof bis zum Eiermann-Campus. Zudem sollen mehr Querungsmöglichkeiten und bessere Wegebeziehungen geschaffen und das Bahnhofsumfeld aufgewertet werden. Hierzu laufen bereits vorbereitende Untersuchungen der Stadt.

Matthias Gastel berichtete aus dem Bundestag. Hier war vor allem die Thematik rund um S21 mit der Kritik des Rechnungshofs und der immer wahrscheinlicher werdende erneute Verzögerung vorn. Die Deutsche Bahn will bei Stuttgart 21 mit dem Kopf durch die Wand. Obwohl das eigene Gutachten Zeitverzögerungen vorhersagt, hält die DB an ihren alten Plänen fest meinte Gastel. Die Termine zur Fertigstellung von Tiefbahnhof auf der einen und Neubahnstrecke auf der anderen Seite klaffen immer weiter auseinander. Gastel kritisierte auch den neuen Bundesverkehrswegeplan von Minister Dobrinth, der lediglich Fortschreibung einer “autofixierten Verkehrspolitik” sei.

Beim Feinstaub wies Hermann nochmals auf die große Bedeutung der Blauen Umweltzone hin: „Derzeit gehen wir von einer Minderung der NOX-Emissionen des Kfz-Verkehrs in Stuttgart von 40 Prozent aus.“ Für die rechtlichen Voraussetzungen zur Einführung der Blauen Plakette ist allerdings der Bund zuständig. Der Wirkungsgrad anderer untersuchter Maßnahmen ist im Vergleich deutlich geringer, ohne diesen jedoch unterschätzen zu wollen.

  • Text “Kampf dem Feinstaub” von Winfried Hermann als PDF

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