Bäume schneiden und “Stuttgarter Gaishirtle” pflanzen bei schönstem Wetter

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020Was für ein herrlicher Tag. Die Sonne scheint satt am blauen Himmel und erwärmt die Wiesen. Die Krokusse strecken bereits ihre lilafarbenen Köpfe zwischen dem Wiesengrün hervor und die Vögel zwitschern auf den knospenden Bäumen sitzend munter durcheinander. Die Sitzbänke und Tische sind gerichtet, Brezeln, ein Viertel Laib Bergkäse und selbstgemachter Saft standen für das leibliche Wohl parat. Die Bedingungen sind wie gemalt.

Gegen 14 Uhr strömen auf ein Grundstück in der Tuttlinger Straße in Stuttgart-Sillenbuch schubweise etwa 50 Menschen. Sie gehen vorbei an dem Plakat auf dem steht „Obstbäume – Hochstämme pflanzen, pflegen und schneiden“. Die Menschenansammlung findet sich rings um Dr. Markus Rösler und Winfried Hermann ein. Hermann, der Wahlkreisabgeordnete auf den Fildern, hat zur Veranstaltung eingeladen. Mit Markus Rösler hat er einen Fraktionskollegen und Experten für das Pflanzen, Pflegen und Schneiden von Obstbäumen gewinnen können.

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020Als erstes ergreift der Gastgeber das Wort und bedankt sich bei dem ortsansässigen Dieter Grötzinger dafür, dass er sein Grundstück so bereitwillig für die Pflanzung und den Schnitt zur Verfügung stellt. Nachdem sich Hermann bei Rösler dafür bedankt hat, dass er sein Fachwissen zur Hege und Pflege der Bäume mit den Anwesenden teilt, findet er lobende Worte für die Baumschule Jung, die das benötigte Zubehör für die Pflanzung besorgt hat. Bevor er das Wort an Markus Rösler übergibt, erklärt der Wahlkreisabgeordnete den Gästen noch, dass man ein „Stuttgarter Gaishirtle“ pflanzen werde und was es mit dem Namen des Birnenbaumes auf sich hat.

Als Rösler das Wort ergriff, stellte er gleich klar, dass die Leute heute nicht nur gucken, sondern auch mit anpacken können. Schon macht er sich auf zu der Stelle, an der der Baum später stehen soll und zeigt den Leuten das „Stuttgarter Gaishirtle“.

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020Auf einer Höhe von 1,8 m Beginnen erst die ersten Zweige. Rösler erklärt, dass diese Höhe einen Hochstamm ausmache. „Für einige Spechtarten ist diese Höhe von so besonderer Bedeutung, dass sie diesen Baum schlicht nicht anrühren und nutzen würden, wenn der Baum auf 1,6 m seine ersten Triebe hätte“, gibt der Naturschutzpolitiker den Leuten zu verstehen.

Rösler schnappt sich den Baum und zeigt auf die Veredelungsstelle. „Diese Stelle muss unbedingt über der Erde bleiben und darf nicht eingegraben werden, weil sonst an dieser Stelle der aufgesetzte Baum Wurzeln austreibt“, gibt er den Leuten einen wichtigen Tipp mit auf den Weg. Dann schneidet er die Spitzen der vier Triebe und bittet die Leute beim Graben des Loches zu helfen.

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020Winfried Hermann und die übrigen Leute lassen sich nicht lange bitten und graben mit Spaten ein ausreichend tiefes Loch in den feuchten Wiesenboden. Als nächstes wird im Loch der Pflanzpfahl mit einem Vorschlaghammer fest in den Boden gerammt. Danach schneiden Rösler und Hermann den Wühlmausschutz zurecht und legen damit das Loch, in das gleich der Baum kommt, großzügig aus. „Die Bedeutung des Wühlmausschutzes darf man nicht unterschätzen. In den ersten zehn Jahren ist er besonders wichtig und sorgt dafür, dass die Wühlmäuse nicht an die Wurzeln des Baumes gelangen. Das schützt den Baum ungemein“, attestiert der Experte. Danach wird etwas Erde auf den Wühlmausschutz getan und der Baum ins Pflanzloch gestellt. „Jetzt brauche ich noch Freiwillige, die den Kompost gut im Loch verteilen“, fordert Rösler die Leute zum Mitmachen auf.  Die lassen sich nicht lange bitten und verteilen den Kompost zügig im Pflanzloch. Rösler ruckelt mehrfach am Baum, damit sich Kompost und Erde gut um die Wurzeln verteilen und keine Luftlöcher übrigbleiben. Hermann und weitere fleißige Helfen schütten die restliche Erde in das Loch, während Rösler den Baum fachmännisch mit einem Kokosstrick am Pflanzpfahl anbindet und den Verbissschutz für Hasen und Rehe anbringt. „Auch der ist sehr wichtig, weil die Rinde der Obstbäume unbedingt vor Fraßschaden geschützt werden sollte!“, gibt er den Leuten mit auf den Weg. Zum Schluss wird der Baum noch gewässert und es geht weiter zum Baumschnitt.

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020

Bevor der Baumschnittexperte beginnt, erklärt er den Leuten die wichtigsten Schritte. „Wir sollten darauf achten, dass die Äste nicht zu tief beginnen und wir gegenrennen könnten. Das ist bei diesem Hochstamm aber der Fall“, sagt er und schneidet den untersten Ast weg. „Wichtig beim Schneiden ist es, dass man den Ast erst von unten einsägt, bevor man die Säge von oben ansetzt. Das schützt davor, dass der Ast einfach beim Sägen bricht und dabei noch eine Wunde in die Rinde reißt“, erklärt er den umstehen Leuten. Nachdem der unterste große Ast entfernt wurde, ist Hermann mit dem nächsten Ast dran. Auch der hängt zu tief und biegt sich sogar noch nach unten. Wie auch beim ersten Ast, wird erst von unten angesägt, bevor Hermann von oben den Ast absägt. „Wir sehen, dass der Baum jetzt schon viel mehr Luft hat und wir nicht andauernd am Baum hängen bleiben. Jetzt müssen wir uns noch für eine Spitze entscheiden, denn wie wir sehen, hat dieser Baum zwei. Das ist aber eine zu viel“, gibt er zu bedenken, bevor er eine der beiden Spitzen schneidet. „Viel mehr würde ich an diesem Baum nicht machen. Wir haben einiges an Holz herausgeschnitten, was das Wachstum anregen wird. Und zu viel Schnitt kann den Bäumen auch schaden“, warnt er vor zu radikalen Schnitten. Wenn der Baum keine ernsthaften Krankheiten habe, die einen radikalen Schnitt erfordern, soll man den Baum mit dem Schnitt nicht überfordern. Zum Schluss gibt Rösler den Gästen noch zu bedanken, „dass man die Wassertriebe und die nach innen wachsenden Triebe entfernt, damit das Obst genug Licht bekommt und der Baum nicht unnötig Kraft in fruchtlose Triebe steckt.“

Baumschnittveranstaltung in Sillenbuch mit Winfried Hermann am 8. Februar 2020

Nach der gelungenen Arbeit diskutieren die Leute noch fast eine Stunde mit Hermann und Rösler bei Sonnenschein und genießen Brezel, Käse und Apfelsaft.

 

Fotogalerie der Baumschnittveranstaltung

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